Ich sprühe Funken oder besser noch Feuer und ich bin wütend. So richtig. Kämen meine Funken an, würde die Deutsche Bank in Palma lichterloh brennen und der Telefonanbieter ONO gleich mit. Zumindest ist die Geschichte so gut, dass sie besser nicht erfunden werden könnte:
Schauplatz ist ein kleines mallorquinisches Dorf, in dem ONO meint, nun auch Leitungen legen zu müssen. Diese werden natürlich nicht von ONO selbst sondern von irgendeinem anderen Unternehmen verlegt. Das andere Unternehmen macht, was es tun soll; nämlich den Gehweg aufreisen und die neue Leitung hineinlegen. Dass da schon andere Leitungen liegen, macht dem Unternehmen nichts aus. Die gehören ja nicht zum Auftrag. Ein paar Wochen später gehen bei mir und meinen Nachbarn die Lichter aus. Natürlich denken wir an den Stromversorger GESA, der sofort einen Vertreter schickt. Der entdeckt, dass unser Stromkabel, das unter dem öffentlichen Gehweg verläuft nicht der GESA gehört, sondern uns privat. Also ist privates Handel angesagt, um die immer noch herrschende Dunkelheit zu erhellen. Ein freundlicher Nachbar, private Stromkabel und etwas elektrische Kenntnisse schaffen die Stromverbindung, die uns provisorisch wieder mit Licht versorgt. Damit die Notlösung schnell wieder in legale Verbindungen gelegt werden kann, kommt nun das private Elektrounternehmen zum Einsatz. Kompetent und schnell wird repariert und entdeckt. Schuld am Desaster ist ONO, deren Kabelverleger die Ummantelung unsers Stromkabels geschädigt haben, was Wochen später zu bekanntem Kurzschluss dank eindringender Feuchtigkeit führte. Spontan und ausführlich wird das Desaster im Kreise der Straßennachbarn diskutiert und meine Nachbarn und ich rufen unsere Versicherungen an, die ihre Gutachter – zwei sehr freundliche Menschen – schicken. Auch die sind sich schnell einig. Leider entscheidet sich das Glück für ein Haus, das Haus meiner Nachbarn. Noch bevor die Rechnung des Elektrounternehmens kommt, hat sich deren Hausratsversicherung dem Fall angenommen und meine Nachbarn sind den Fall los. Anders bei mir. Ich darf mich nun auf einen Marathon mit Mitläufern begeben, für die sportliche Fairness fremd ist. Zur Verblüffung meines Gutachters verweigert meine Versicherung die Bezahlung des Schadens, weil, so die Begründung, der Schaden seitens ONO verursacht wurde. Fragezeichen meinerseits verbunden mit einer Beschwerde bei der Deutschen Bank, die mir die Versicherung verkauft hatte. Die widerum setzt sich in bewundernswerter Nachlässigkeit für ihre aufgeregte Kunden nicht ein. Statt mit der Bank zu streiten, versuche ich den direkten Weg und beschließe, mich direkt an ONO zu wenden. Schließlich liegen mir zwei unabhängige Bestätigungen vor, die ONO als Verursacher nennen. Die freundliche ONO-Mitarbeiterin, die ich beim Anruf an der Leitung habe, meint, dass ONO keine Repräsentanz auf Mallorca habe. Das weiß ich besser und deshalb findet sie nach längerem Suchen immerhin eine Adresse in Palma. Von dem ONO-Büro im Industriegebiet Son Castelló weiß sie nichts, aber ich, dank einer Informantin. Also setze ich mich kurzerhand ins Auto, suche Palmas größtes Industriegebiet ab und werde fündig. Ein Triumph, der allerdings nur kurz währt, denn mehr als eine Telefonnummer bekomme ich nicht. Immerhin ist das eine Handynummer, die mich zu einer Anwältin von ONO führt, die wenig erbaut ist, dass ihre Nummer einfach so herausgegeben wird. Zum Glück zeigt sie Verständnis für meine Lage und gibt mir drei Namen samt Emailadressen von angeblich verantwortlichen Personen. Angeblich, was noch fein ausgedrückt ist. Der aktuelle Stand der Dinge: Natürlich hat ONO den Schaden noch nicht bezahlt. Stattdessen meldete sich eine Versicherungsgesellschaft von ONO, die mir freundlich mitteilte, dass unter meinem Gehweg keine ONO-Leitung verlaufe. Man habe Gutachter geschickt. Immerhin, damit hatte sich recht. Zweimal finanzierte ONO den Anmarsch irgendwelcher Gutachter, die nicht mal meine Hausnummer wussten, dafür aber beharrlich unbeteiligte Nachbarn aus ihren Häusern klingelten. Dumm nur, das das angeblich nicht existierende ONO-Kabel sogar einen Verteilerkasten hat, den das nette Unternehmen ohne Genehmigung direkt an meine Patiomauer montiert hat. Man wolle sich darum kümmern, lautete daraufhin die verbindliche Aussage. Somit habe ich nun vier ONO-Adressen, die sich mittlerweile nicht mehr rühren. Damit starte ich nun mein neues Jahr mit einem Konzern, der sich im Schweigen übt und einer Bank, die mir noch nicht mal meine Versicherungspolice geschickt hat. Auf freundliches Anfragen bekam ich immerhin die Telefonnummer der Versicherungsgesellschaft. Die wiederum wundert sich, weil meine Bank ihre eigenen Policen ausgehandelt hat, auf die die Versicherungsgesellschaft keinen Zugang mehr haben will. Kurzum – nun ist Fantasie gefragt, um einen schweigsamen ONO-Konzern zum Reden zu bringen, eine nicht vorhandene Police aufzutreiben und die Entscheidung zu treffen, wer den nun erstes Opfer meiner flammenden Wut sein wird.



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Sophia Jung pointiert Politik und Wirtschaft